nie abgeschickt

Donnerstag, 11. November 2004

Lange her...

Mir ist gerade einer dieser Texte in die Hände gefallen, die nie an die Öffentlichkeit durften...nicht abgeschickt, danach gegestandslos. Aber hier nochmal raus:


Willst Du Kinder mit mir ?

Kinder sind der in die Welt gepflanzte Beweis des eigenen Lebens, das Gefühl seine Aufgabe erfüllt zu haben, sich reproduziert zu haben, ergänzt um die Hoffnung, das beste, das meistgeliebte, das wenig gefährlichste, also jenes, welches zur jetzigen Zeit unpassend und unnütz erscheint, welches uns, aus unserer heutigen Sicht, aus unserem Wissen über die Vergangenheit und unserer Ahnung über die Zukunft, am hinderlichsten erscheint, für ein Geschöpf, welches unsere Züge tragen soll und gleicherzeit, um die Züge eines von uns geliebten Menschen, erweitert worden sein soll, zu vererben.
Es ist der Wunsch des Gestaltens, des Hinterlassens einer Bereicherung und nach dem Ausgleich unserer eigenen Unzulänglichkeiten.
Sie in eine Welt zu senden, auf die wir kaum Stolz sind und uns nicht in der Lage sahen und sehen diese nachhaltig zu unser aller Vorteil, oder doch nur zu unserem, oder dem weniger, Geliebter und Geachteter, zu gestalten, und dies unter den Maßgaben eines Bildes der Welt an zukünftigen Tagen zu tun, aber nicht selten schon am Bild des morgigen Tages verzweifeln.
Für einen Mann scheint der Gedanke der Reproduktion tief verwurzelt in seinem Instinkt, zu manchen Zeiten ist seine Existenz auf die einer Drohne reduziert, oder er tut dies selbst, jedenfalls wird er sich nicht explizit dagegen wehren, oder den Kampf mit sich selbst überhaupt nur zur Aufnahme im Stande sein – warum auch, es ist die einfachste Existenzform, welche gleichzeitig einen nicht zu verleugnenden Sinn ergibt.
An seine Auserwählte sind seine Ansprüche groß, wenn er von den Kindern träumt, was er nur selten tun wird, und ausgesprochen begrenzt wenn er an die Zeugung, oder an die Vortäuschung und gleichzeitige Verhinderung derer denkt, was ihn aber kaum stören würde in einem solchen Moment.
Ihre Züge, Ihre Anmut und Ihre Haare, Ihre Augen und Ihre Brauen sollen sich reproduzieren und er wird dazu beitragen, wo er doch genau weiß, dass dies alles seiner eigenen Befriedigung dient, die er in seinem Kind fortgepflanzt sehen möchte, sich aber jeglicher Begierde nach dieser Reproduktion scheut, sich sicher ist, er würde keinen Moment die Augen Ihrer Mutter in der seiner Tochter begehren, sich also doch nur selbst befriedigt sehen will in der Wiedererschaffung des Bildes, welches nur ihm gehört, auf dass er seinen Anspruch anmeldet und dass er nur zu schwer vermitteln kann, weil es sich doch in jeder Zelle seines Hirns in allen seinen Sinnen zu einem einzigartigen Muster bio-chemisch erzeugter Molekül-Ladungen entwickelt hat, dass er nicht fähig ist zu beschreiben und nie fähig sein wird es zu reproduzieren, geschweige denn dass es nochmals dasselbe sein wird, oder jemals war.
Also will er auch alle Züge dieses, oftmals idealisierten und mit Projektionsflächen, mit denen er seine eigenen Züge reflektiert, oder in denen er auch nur sein ihm genehmes, oder idealisiertes Wesen wiederzufinden glaubt, angereicherte Bild vererben.
Noch viel wichtiger erscheint ihm jedoch die wenig sichtbaren, erlebten Momente des Gefallens und Sichselbstgefallens zu einer einzigartigen Melange hochkonzentrierten Erbgutes mit seinem und Ihrem Besten zu verbinden und so dem Kinde alles zu geben was es brauchen könnte, nach seiner Ansicht, der er sich nicht sicher, oder aber viel zu sicher ist, um dieses, sein, und kaum Ihr, Vermächtnis zu hinterlassen.
Wenig Gedanken wird er dabei an das Leben danach verschwenden, welches ihm zur Aufgabe macht, mitzuhelfen, dem Kinde die Chance zu geben, dass zu werden was er gerne geworden wäre, und dabei nur selten daran denkt, dass es, so wie er schon immer, aber das werden wird, was es selbst will, sofern er zulässt, dass es wird was er nicht wollte.
Wenig Platz bleibt dabei für das, was Sie will, was er leugnen wird und sich in Verständnisbekundungen der oberflächlichen Art flüchten wird, und sich ansonsten aus der Sache raushalten möchte, wenn es ihm doch gar zu unangenehm wird.
Und weil es ihm unangenehm werden könnte, sogar sicher irgendwann und ab und zu unangenehm werde würde, wird er sich den Überlegungen dieser Art entziehen, würde Sie nie anstellen, ganz sicher aber leugnen, bevor er sich nicht selbst dazu entschließen würde, wenn er denn überhaupt die Chance zum Entschluss hätte, und das ganze würde er schon gar nicht tun, bevor er es angetäuscht und Sie es für Ihn verhindert hätte.
Denn Sie hat jetzt und hier zwar schon einen nicht zu verleugnenden Platz in seinem Kopf eingenommen, ist aber dennoch Jahre, Jahreszeiten und Gefühle weit entfernt davon, überhaupt nur einen Gedanken über dass anzustellen, mit dem er beginnt.
Er beginnt denn damit, weil er sich nicht sicher ist, aber gerne sicher sein würde, gleichzeitig das Gefühl hat sicherer zu werden und es schließlich sicher wissen will, was er fühlt, obwohl er weiß, dass er wissen wird, wenn er sich sicher ist, aber niemals erfahren wird wann er denn so sicher geworden ist, und dabei völlig vergisst, dass er Sie dabei ganz vergessen hat.
Er denkt an Sie und denkt dabei eigentlich an sich, und denkt über sich und Sie nach, und phantasiert, oder wünscht und hofft mit Ihr zusammen zu sehen und zu fühlen und lässt ihr etwas Platz in diesen Gedanken, dem er mit ein wenig Phantasie und viel mehr Wunschdenken immerhin schon mal eine Farbe gibt, der er auch schon mal einen Ton und einen Geruch beistellen möchte, welche aber nur vage sind, aber doch unendlich angenehm sind und ihn mit einer enormen Sehnsucht nach Mehr, oder auch weniger Wahrheit und mehr Ideal, zurücklassen.
Und so wird er sich der Tatsache bewusst, dass dies alles ganz anders sein wird, oder könnte, als er es sich nun vorstellt, und es farbenreicher, und sicher –froher, aber sicher klangvoller, und voller Düfte, denn dort hat er die meisten Defizite, sein würde.
Ganz bestimmt, so wird ihm zunehmend klarer, reicht seine Vorstellungskraft nicht aus, auch nur teilweise zu erfassen was ihn erwarten könnte und so verbietet er sich diese Gedanken an sich und Sie und kommt zurück auf den Moment, oder genauer auf den letzten Moment als er die Chance hatte, diese Gedanken zu speisen und zu nähren, deren Ursprung, und da ist er sich schon mal sicher, nicht so einfach wieder aus ihm zu entfernen sein würden, also auf ein Wort und einen Kuss, deren Bedeutung er sich ganz und gar unsicher ist.
Und plötzlich denkt er wieder und phantasiert nicht mehr und will sich nicht nur in seinen Gedanken sehen, wie er da mit Ihr sitzen könnte, wo auch immer, und ist ganz verliebt in seinen Entdeckergeist und Forscherdrang, wie er schon die ganze Zeit eigentlich hauptsächlich in sich selbst verliebt war, wie er nun erkennt und sich etwas dafür schämt.
Nun verliert das Gesagte an Kraft und die Gedanken an Relevanz für die Realität, und der Kuss an Bedeutung, derer er sich eh völlig unsicher war und sich vorwirft überhaupt verführt worden zu sein soviel davon in ihn hineingelegt zu haben, ihn geradezu überladen zu haben, und dabei wiederum immer nur an sich gedacht zu haben.
Sein Blick wird wieder gerade und entfernt sich schließlich von dem Gesagten und Gedachten, dass er dennoch nicht vergessen wird, und stößt sich etwas an der Überschrift, die ihm aber auch im Nachhinein als mit einem gewissen Witz und ganz sicher mit einem Effekt versehen vorkommt und freut sich darauf zu erfahren, was Sie wohl zuerst gedacht hat, der Schelm, der er sein kann. Also schließt er den Text mit der Gewissheit ab, nun mehr erfahren zu wollen und lacht noch mal über den Gedanken an Ihre gemeinsamen Kinder, vielleicht wird Sie auch dazu etwas sagen wollen und möchte ihr und sich die Gelegenheit dazu geben und weiß jetzt auch schon wo...

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